Wo ABBA wie Bill Haley klingt
"Marty & his Rockin' Comets" auf Staudacher Musikbühne
Es war ein grauer und dunkler Tag in Oberbayern. In ganz Oberbayern? Nein! Über einem kleinen Dorf im Landkreis Traunstein bündelte sich ein strahlender Sternenhaufen aus acht Kometen und schlug auf der Staudacher Musikbühne im Gasthof "Mühlwinkl" ein.

"Marty & His Rockin' Comets" heißt die Münchner Formation um Martin "Marty" Wolf, die mit einem erlesenen Programm aus Jump Blues, Rhythm & Blues und Rock 'n' Roll viel hellen Glanz aus der Zeit von chromblitzenden Straßenkreuzern, Wildlederschuhen und Wurlitzerboxen verbreitete.

Von Anfang an war klar, dass es diesmal kein stiller "Unplugged"-Abend wird im voll besetzten Mühlwinkl wie noch beim letzten Konzert. Druckvoll wurde bewiesen, dass man auch mit nur drei Bläsern satten, strahlenden Bigbandsound produzieren kann. An sich präsentierten sich die acht Kometen optisch (in blauen Glitzersakkos mit Fliege) und musikalisch als so kompakte Einheit, dass man keinen besonders herauszustellen braucht, doch was Marion Dimbath (Posaune), Reinhard Greiner (Trompete) und Stephan Reiser (Saxofon) boten, war schon sehr beeindruckend. Einfallsreiches Spiel, toller Sound, exaktes Timing.

Nach kurzem, swingendem Jazzintro betrat Sänger Marty Wolf die Bühne und bewies schnell, dass die Band den Namen "Rockin' Comets" zu Recht trägt. Das Tempo zog unter seiner Führung an. Als Bill-Haley-Coverband hätten sie einst begonnen, ließ der Bandleader sein Publikum wissen, das er kurz, charmant und prägnant durchs Programm führte. Wie wohl vertraut die Mannschaft mit der Musik des Rock'n'Roll-Urvaters ist, zeigte sich in authentischen Versionen von Klassikem wie "Mambo­Rock" oder "See You Later, Alligator". Traumhaft sicheres Zusammenwirken vom hervorragenden Saxofonspiel Stephan Reisers mit der geschmackvollen Gitarre von Chris Schlechtrimen. Eine wahre Freude war es, dem etwas versteckten Wolfgang Kotsowilis (Schlagzeug) dabei zuzusehen, wie er auf seiner Snare mit Besen Shuffles in beliebigem Tempo anrührte oder nach Bedarf mit Sticks hart den Takt vorgab. Solos fehlten natürlich auch nicht, so zum Beispiel im allseits beliebten "Tequila". An seiner Seite zupfte Robert Klinger in schönen Figuren am Bass und unterstützte wie sein Schlagzeuger die Band auch am Mikrofon. Heiko Gottschling bediente die Tasten des Pianos sehr gekonnt. Es waren sehr kurzweilige drei Stunden. Die Band blieb ihrem Stil treu. Sie bot aber dank der Vielseitigkeit von Instrumentalisten und Sänger eine große Bandbreite und damit Abwechslung. Da gesellten sich - originalgetreu oder selbst arrangiert - Louis-Armstrong-Stücke hinzu. Man hörte Dean Martin oder Henry Mancini. Und plötzlich kam mit "Waterloo" ein ABBA-Song daher, der freilich nicht wie ABBA, sondern wie Bill Haley klang.
Andi Wagner - Oberbayerisches Volksblatt
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